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Eine berührende Geschichte
Von Montag bis Donnerstag, 4.-7. Mai 2026, war Frau Lisa Wolff gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul zu Gast in Borken.
Die Familie Wolff lebt heute in New Jersey, USA. Ihre Großeltern stammen aus Borken-Dillich, wo 1921 Sally Wolff aus Ostpreußen Dora Israel heiratete. Sie lebten im heutigen Muschelweg in Dillich und hatten zwei Kinder. Nachdem ein erstes Kind 1924 eine Totgeburt war, wurde Tochter Gerti Wolff 1925 geboren, gefolgt von Sohn Werner Wolff, der 1929 in Dillich das Licht der Welt erblickte.
Die Familien Israel und Wolff waren jüdischen Glaubens und nach Angaben von Zeitzeugen gut in das Dillicher Dorfleben integriert. Schließlich lebten die Israels mindestens seit 1750 in Dillich.
Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland im Januar 1933 an die Macht kamen, wurde es für die Jüdische Bevölkerung zunehmend schwerer. Juden wurden ausgegrenzt, misshandelt und betrogen. So entschloss sich die Familie Wolff mit ihren zwei Kinden schweren Herzens die Dillicher Heimat zu verlassen und aus Deutschland in die USA zu fliehen. Anderen Familien aus Dillich und aus Borken gelang die Flucht nicht und sie wurden deportiert und in Konzentrationslagern ermordet.

Auf den Spuren der Vorfahren der Familie aus Dillich, die alle am Jüdischen Friedhof in Haarhausen beigesetzt wurden. Das älteste heute noch vorhandene Grab der Familie Israel datiert auf 1795.
Die Enkeltochter von Dora Israel und Sally Wolff, Lisa Wolff, kam nun aus Interesse an dem Ort und der Region, wo ihre Vorfahren lebten, nach Borken (Hessen). Jörg Domes vom Geschichtsverein Borken e.V. hatte durch das mittlerweile recht große weltweit bestehende Netzwerk im Vorfeld Kontakt mit der Familie und konnte die beiden US-Amerikaner durch Borken, Dillich und über die Jüdischen Friedhöfe in Haarhausen und Borken führen. In Dillich konnte der ehemalige Ortvorsteher Bernd Albert einige Auskünfte über die Dillicher Familien und Häuser geben.

Bürgermeister Marcèl Pritsch begrüßte die Gäste im Rathaus. Lisa Wolff und Paul platzierten sich bewusst zwischen dem Emblem für den Borkener Ortsteil Dillich mit der Abbildung des Dillicher Schlosses.
Bürgermeister Marcèl Pritsch begrüßte Familie Wolff im Rathaus und Mirko Ignatz, der neue Leiter des Hessischen Braunkohle Bergbaumuseums Borken, führte gemeinsam mit Karl-Heinz Bräutigam durch das Museum und den Stollen.
Eine weitere Begegnung fand in der CJD Jugenddorf-Christophorusschule Oberurff statt. Die Lehrerin Zana Kastrati hatte gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu einem Austausch mit Lisa und Paul aufgerufen, dem am Mittwoch, 6. Mai, zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Geschichtskurse der Q2-Phase in Oberurff folgten. Aktuell wird dort sehr passend die Unterrichtseinheit „Nationalsozialismus“ erarbeitet.

Begrüßung durch die Schülerinnen Dorothea Hucke und Emilia Henkel, die sich als Moderatorinnen engagierten.
In einem Raum der Schule fand die Gruppe mit den Gästen aus den USA zum Gespräch zusammen, wo Schulleiter Christoph Heimbucher eine Begrüßungsrede hielt. Es entwickelte sich ein reger Austausch in englischer Sprache und alle Beteiligten berichteten im Anschluss darüber, wie bereichernd diese Veranstaltung für sie war.
Lisa und Paul waren sehr angetan von der Borkener Gastfreundschaft und vom Interesse der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schülern in Oberurff, was sie an der Geschichte der einstigen jüdischen Nachbarn zeigten, sowie vom Engagement für Demokratie, für Integration und gegen Rassismus.
