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Die Kirche im Dorf lassen
Vier Wochen lang war die Ausstellung „Schön hier - Architektur auf dem Land“ im RoSenhaus Treysa zu sehen – mit einer vierten Veranstaltung ging sie nun zu Ende. Diesmal ging es um die künftige Nutzung kirchlicher Gebäude. Baudezernent Timo Koch von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) gab Einblick in die schwierige Lage zahlreicher kirchlicher Immobilien. „Fast jeder Ort hat eine Kirche, die meistens auch das Zentrum bildet“, eröffnete er seinen Impulsvortrag. Allein im Kirchenkreis Schwalm-Eder seien es 224, zu denen eine Vielzahl an Pfarr- und Gemeindehäusern hinzukämen, so der Fachmann. Durch den Verlust an Mitgliedern habe sich mittlerweile die Finanzsituation der Kirchen grundlegend geändert: „Die Einnahmen sinken, die Kosten steigen und der Sanierungsstau wächst“, brachte er das Dilemma auf den Punkt. „Es gibt kein Patentrezept“, umschrieb er die schwierige Lage, „aber vieles ist möglich, wenn man sich denn darauf einlässt“, forderte Koch zum kreativen Denken auf und nannte als Beispiele die „Cafédrale“ in Mainz oder den Neubau Gemeindehauses in Zierenberg, das gemeinsam mit der Stadt genutzt wird. Für Kirchen gäbe es eigentlich nur drei Modelle: „Entweder es bleibt die ausschließlich sakrale Nutzung oder man ändert, beziehungsweise erweitert das Aufgabenspektrum“ – sei das nicht möglich, bliebe am Ende nur die profane Nutzung. „Jede Kirchengemeinde muss für sich feststellen, was wirklich gebraucht wird“, lautete sein Auftrag an alle, die sich in dem Bereich engagieren.
Anschließend leitete Liedermacher Hans-Heinrich Conradi musikalisch zu einem gelungenen Beispiel über, „der liebe Gott ist ausgezogen … vielleicht ist er aber nur verreist“, sang er über die ehemalige katholische Kirche Oberaula, die mittlerweile Eigentum der Gemeinde ist. Nach entsprechender Umgestaltung wird sie nun als „KulturKirche Oberaula“ für Konzerte, Lesungen, Vorträge und Ausstellungen genutzt, darüber hinaus sind auch standesamtliche Trauungen möglich.
Als Dritter berichtete Karl-Wilhelm Schütz über die Kirchengebäude in Treysa. Das evangelische Gemeindehaus in Treysa müsse dringend saniert werden, aber der finanzielle Aufwand sei für die Kirchengemeinde nicht zu stemmen. Da das Haus immer noch regelmäßig von verschiedenen Gemeindegruppen genutzt wird, wurde die Stadtkirche im vergangenen Jahr zwei Monate lang als Ausweichquartier erprobt. Sie wurde aber in ihrem jetzigen Zustand als nicht geeignet befunden. Bei der ohnehin anstehenden Innenrenovierung der im 14. Jahrhundert erbauten Stadtkirche wird über die Schaffung neuer Räume nachgedacht, „ein Ingenieur-Büro soll Ideen entwickeln, welche Einbauten sinnvoll und machbar wären“, berichtete er von dem laufenden Prozess. „Dabei kommt immer wieder die Frage auf, soll man alles bewahren oder auch mal etwas wagen“, stellte Schütz in den Raum. Die intensive Diskussion der Referenten untereinander und mit dem Publikum zeugte davon, dass viele der Teilnehmenden die Herausforderungen für ihre Gemeinden sahen.
Weitere Informationen:
Verein Regionalentwicklung Schwalm-Aue, Landgrafenstraße 9, 34590 Wabern.
