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Alt und schön – Plädoyer für den Erhalt alter Häuser
Wie viel Geschichte, handwerkliche Kunst und soziale Bedeutung in alten Häusern steckt, zeigte Architekt J. Michael Ruhl beim dritten Vortrag im Begleitprogramm der Ausstellung „Schön hier – Architektur auf dem Land“. Unter dem Motto „alt und schön“ warb er für einen respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz.
„Ein Dorf oder eine Stadt ist über Jahrhunderte gewachsen – in alten Gebäuden steckt eine stillschweigende Weisheit“, sagte Ruhl vor rund 40 Gästen im RoSenHaus der Altenhilfe Treysa. Inspiriert vom Architekturphilosophen Juhani Pallasmaa stellte er Begriffe wie Langsamkeit, Sinnlichkeit und Authentizität in den Mittelpunkt seines Vortrags. Alte Häuser, so Ruhl, seien mit ihren Spuren, Fassaden und Fenstern Ausdruck gelebter Geschichte – sie prägten Identität und Gemeinschaft.
An zahlreichen Beispielen aus seiner Praxis zeigte Ruhl, wie sensibel Sanierungen gelingen können, wenn sie das Vorhandene respektieren. Besonders anschaulich berichtete er vom Umbau einer ehemaligen Hofreite, in der heute drei Wohnungen Platz finden – das alte Bauernhaus und die Scheune blieben dabei in ihrer Gestalt erhalten. „Wohnen, kochen und essen in der hohen Halle, schlafen in den niedrigen, mit Lehm verputzten Räumen“, beschrieb er die Verbindung von Alt und Neu.
Auch den emotionalen Wert alter Häuser veranschaulichte Ruhl: So erzählte er vom Wiederaufbau eines verfallenen Hauses eines jüdischen Dorfbewohners in Angenrod, das inzwischen als Gedenkstätte dient. „Dörfliche Quartiere leben nicht durch Einzeldenkmäler, sondern durch ihr Ensemble“, betonte der erfahrene Dorferneuerer. Alte Häuser vermittelten eine besondere Ruhe und Bodenständigkeit – Qualitäten, die in der modernen Bauwelt oft verloren gingen.
Organisatoren von Wanderausstellung und Veranstaltungsreihe sind der Verein Regionalentwicklung Schwalm-Aue, das Evangelische Forum Schwalm-Eder und die Altenhilfe Treysa (Text: Leader Schwalm-Aue)
