Tauchen für den Naturschutz

Taucher erkunden die verborgene Unterwasserwelt der Borkener Seenlandschaft

Was unter der Wasseroberfläche der Borkener Seen wächst, bekommt kaum jemand zu sehen. Ein zweitägiges Seminar der NABU-Landesarbeitsgemeinschaft „Tauchen für den Naturschutz" hat es Anfang August sichtbar gemacht. Gemeinsam mit dem Hessischen Tauchsportverband (HTSV) kartierten 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Unterwasservegetation nach den Vorgaben der europäischen FFH-Richtlinie.

Der theoretische Teil fand im evangelischen Gemeindehaus in Gombeth statt, dass die Kirchengemeinde der Gruppe freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Armleuchteralgen (Characeen) – unscheinbare Pflanzen, die nur in klarem, nährstoffarmem Wasser gedeihen und deshalb als verlässliche Zeiger für gute ökologische Qualität gelten. Wo sie dichte Rasen bilden, ist der See in gutem Zustand.

Genau das fanden die Tauchenden im Naturbadesee Stockelache vor. Über weite Strecken zieht sich dort eine geschlossene unterseeische Wiese über den Grund, aufgebaut aus Armleuchteralgen und weiteren untergetauchten Wasserpflanzen. Zwischen den Beständen leben Fische, Muscheln und Kleinlebewesen. Bemerkenswert ist das vor allem deshalb, weil der Naturbadesee Stockelache in den Sommermonaten stark zur Freizeitnutzung herangezogen wird – Badebetrieb und empfindliche Unterwasservegetation vertragen sich sonst selten so gut.

Hinzu kommt die Beständigkeit: Die Landesarbeitsgemeinschaft kartiert den Naturbadesee Stockelache bereits seit mehreren Jahren, und die Armleuchteralgenbestände zeigen sich über diesen Zeitraum stabil. „Dass wir Jahr für Jahr dieselben ausgedehnten Bestände vorfinden, ist bei diesem Nutzungsdruck ein gutes Zeichen", berichtet Elina Kämmerer, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft. „Das Gewässer erweist sich als erstaunlich widerstandsfähig."

Die Kartierungen sind bürgerwissenschaftliche Arbeit: Ehrenamtliche Taucherinnen und Taucher erheben Daten, die sonst nur mit erheblichem Aufwand zu bekommen wären, und stellen sie dem Naturschutz zur Verfügung. „Ohne die freundliche Unterstützung der Stadt Borken sowie von Uniper, die uns den Zugang zu den Gewässern ermöglicht haben, wäre diese Arbeit nicht möglich", sagt Rainer Stoodt, Umweltreferent des HTSV. „Wir sind hier auf gute Zusammenarbeit angewiesen – und finden sie in Borken seit Jahren."

In der Borkener Seenlandschaft war die Landesarbeitsgemeinschaft bereits mehrfach im Einsatz. Der Singliser See wurde ebenfalls betaucht, der Zimmersröder See in der Nachbargemeinde Neuental folgt. Für das Winterhalbjahr plant die Gruppe Vortragsabende, bei denen Bilder und Filme aus den Seen einem breiten Publikum vorgestellt werden.

Weitere Infos: Elina Kämmerer, Sprecherin der NABU-LAG „Tauchen für den Naturschutz" Hessen, www.naturschutztauchen.org

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars „Tauchen für den Naturschutz" in Gombeth.