Borken und seine Rathäuser


Während meines Praktikums im Frühjahr 2026 habe ich die Aufgabe bekommen, Informationen zu den ehemaligen Rathäusern in Borken (Hessen) zu recherchieren und daraus einen Bericht zu schreiben.  Dabei sollte ich selbstständig mit Hilfe des Buches „Borkener Jubiläums- Lesebuch 775-2000“ verschiedene Infos sammeln, mich ein bisschen mit der Geschichte und den Gebäuden beschäftigen und alles schriftlich in einem Bericht festhalten. (In dem Haus-Kataster, welches von Björn Bott geschrieben wurde, ist von insgesamt 6 Rathäusern die Rede. So gab es einen sogenannten Nachfolgebau in der heutigen Hintergasse 1, der als Mädchenschule genutzt wurde und es ist noh die Rede von „Am Markt 3“, welches von 1775-1920 als Rathaus genutzt wurde.)                      

Mein Name ist Julia Wilhelm, ich bin 15 Jahre alt und gehe zurzeit auf die CJD-Schule in Oberurff.

Im hessischen Bruderkrieg 1469 wurde das erste Borkener Rathaus auf dem Platz unterhalb der Burg, also im damaligen Zentrum, vollständig zerstört.

Erst viele Jahre später, im Jahre 1990, entdeckte man östlich gegenüber vom Alten Amtsgericht die Grundmauern eines Gebäudes. Es wird vermutet, dass es sich dabei um die Überreste des ersten Rathauses handeln könnte (Lageplan, gelber Punkt Nr. 1)

Allerdings gibt es für diese Theorie weder schriftliche noch andersartige Belege. Sicher ist jedoch, dass die Stadtverwaltung nach 1469 vorübergehend im Haus Hintergasse Nr. 1 untergebracht war. Dort soll es auch eine Schankwirtschaft gegeben haben, was im Jahr 1561 sogar zu Streitigkeiten geführt haben soll (Lageplan, roter Punkt Nr. 2)

Genauere erste Aufzeichnungen über ein Rathaus lassen sich erst ab dem Jahr 1777 finden. Der Stadt stand damals das alleinige Recht auf den Ausschank von Wein und Branntwein zu. Zusätzlich gab es eine neu eingerichtete Kellerwirtschaft, durch die die Stadtkämmerei jährlich etwa 100-110 Reichstaler einnahm. Der Pächter des sogenannten „neuerkauften Rathauses“ bekam dafür als Ausgleich im Rathaus selbst eine freie Wohnung (Lageplan, grüner Punkt Nr. 3).

Man ging zunächst davon aus, dass dieses Rathauses in 1750 erbaut wurde. Experten sind sich heute jedoch sicher, dass dies nicht stimmen kann. Eine dendrochronologische Untersuchung aus dem Jahre 1995 hat ergeben, dass das Gebäude bereits 1611 errichtet wurde. Der Vorbesitzer, welcher Unbekannt ist, hat das Gebäude 1611 errichtet und das Haus wurde wahrscheinlich erst später von der Stadt gekauft.

Im Jahre 1868 wurde das Branntwein- Monopol durch ein neues Gesetz abgeschafft. Daraufhin wurde mit dem Metzger Johannes Schlott ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen. Einige Jahre später im Jahr 1901 wird an Stelle des bisherigen Pferdestalles ein Laden errichtet und 1920 entschließt sich die Stadt Borken dazu, das Eckhaus Pferdetränke Nr. 1 als Rathaus zu nutzen (Lageplan, blauer Punkt Nr. 4).

Das bisherige Rathaus wurde daraufhin an Georg Dickhaut und Käthe Dickhaut geb. Wiegand, die dort ihre Metzgerei mit Gastwirtschaft betrieben, verkauft. Bis 1993 blieb das Haus in den Händen der Familie Dickhaut.

Die Stadt kaufte das historische Rathaus von der Witwe des letzten Metzgermeisters und Gastwirts Werner Dickhaut zurück, um es im Rahmen der Stadterneuerung zu sanieren und anschließend neu zu nutzen.

Das Rathaus in der Pferdetränke Nr.1 diente nur von 1920 bis 1938 als Rathaus der Stadt Borken und hat bis heute noch das Stadtwappen über einer Tür.

Die Pläne für das bis heute genutzte Rathaus wurden im März 1922 von den Architekten L. Stöhr und C. Becker erstellt. Am 22. Juli 1922 prüfte das staatliche Hochbauamt in Homberg die Entwürfe und genehmigte sie mit einigen Auflagen. Das Haus mit den Flächen gehörte damals Borkens Rittergutbesitzer Georg Koch. Da der Bau in die Zeit der Inflation fiel, sind die genauen Kosten bis heute unbekannt.

Im Sommer 1938 beschlossen die Borkener Stadtväter unter Bürgermeister Friedrich Baumgarten, das Gebäude samt Grundstück zu erwerben.

Der Umzug begann am 2. September 1938. Ab dem 1. Oktober 1938 wurde das ehemalige Herrenhaus offiziell als Sitz der Stadtverwaltung genutzt.

Das große Gebäude bot auch Platz für weitere Nutzer: Im Dachgeschoß befanden sich bis 1994 Lagerräume und Wohnungen. Der heutige Sitzungssaal sowie das Erdgeschoß wurden ebenfalls genutzt. Bis 1960 war im Sitzungssaal die Sparkasse Borken untergebracht und im Erdgeschoß gab es bis zum Ende der 30er Jahre Klassenräume für die Mittelschule.

Während und nach dem zweiten Weltkrieg dienten Teile im Rathaus als Hilfslarzetten. Wegen des großen Lehrermangels wurden von 1947 bis 1949 dort außerdem in einem pädagogischen Institut Junglehrer ausgebildet.

 Mit der Zeit wuchsen die Aufgaben der Stadtverwaltung immer weiter. Besonders die Gebietsreform 1972/74 und der damit verbundene Anstieg der Einwohnerzahl von etwa 5.000 auf 15.000 führten zu mehr Arbeit. Auch der Ausbau der Infrastruktur, soziale Leistungen, neue Wohngebiete und zusätzliche Aufgaben sorgten dafür, dass mehr Mitarbeiter benötigt wurden und somit auch mehr Büro- und Archivflächen.

Heute ist das Rathaus entsprechend voll ausgestattet. Es sind bis auf drei Etagen Büroräume eingerichtet. Zur Verwaltung gehört außerdem das Gebäude in der Bahnhofstraße 25. Hier sind die Stadtkasse und die Kämmerei eingerichtet.

Das Haus im Bommerweg 15 gehört ebenfalls zur Stadtverwaltung. Hier ist ein Jugendtreff der Stadtjugendarbeit untergebracht (Text: Julia Wilhelm, Fotos heute: Julia Wilhelm) Quelle: Borkener Jubiläums-Lesebuch 775-2000)

 

Die Häuser im Vergleich:

Vom ersten Borkener Rathaus gibt es keine Bilder.

Das zweite Borkener Rathaus, Hintergasse 1

Früher

Heute


Das dritte Borkener Rathaus auf dem alten Marktplatz

Früher


Heute


Das vierte Borkener Rathaus Pferdetränke / Ecke Bahnhofstraße

Früher


Heute


Das heutige Borkener Rathaus

Früher


Heute