Naturschutz und Naturerlebnis im Einklang


Der Borkener See ist ein besonderer Ort: Weitläufig, ruhig und zugleich ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Der See entstand aus einem ehemaligen Braunkohletagebau und ist heute Teil eines rund 350 Hektar großen Naturschutzgebietes. Der etwa 139 Hektar große und bis zu 52 Meter tiefe See zeichnet sich durch sein nährstoffarmes Wasser aus. Diese besonderen Bedingungen schaffen Lebensräume, die in Hessen selten geworden sind.

Damit Besucherinnen und Besucher die einzigartige Natur weiterhin erleben können und sensible Bereiche gleichzeitig geschützt bleiben, setzt die Stadt Borken (Hessen) gemeinsam mit HessenForst in diesem Jahr verstärkt auf Besucherlenkung und die Aufwertung bestehender Aufenthaltsbereiche.

Natur erleben, ohne sie zu stören

Mit etwas Glück lassen sich am Borkener See Kraniche, Gänse, Schwäne, Enten, Möwen, Taucher oder sogar Eisvögel beobachten. Für zahlreiche Zugvögel ist das Gebiet ein wichtiger Rastplatz. Auch seltene Pflanzen und Amphibien finden hier geeignete Lebensräume. Zahlreiche der vorkommenden Arten stehen auf den Roten Listen Deutschlands oder Hessens.

Um diese besondere Natur zu bewahren, ist es wichtig, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen. Was für Menschen wie ein kurzer Abstecher wirken mag, kann für rastende oder brütende Vögel eine erhebliche Störung bedeuten. Auch empfindliche Pflanzenbestände und Lebensräume können durch Trampelpfade geschädigt werden.

In den vergangenen Jahren entstanden teilweise unerlaubte Wege. Deshalb werden natürliche Begrenzungen durch gezielte Pflanzungen heimischer Hecken- und Straucharten gefördert. Künftig soll auch moderne Kameratechnik helfen, einen besseren Überblick über die Fauna im Naturschutzgebiet zu bekommen. Besucherinnen und Besucher brauchen sich jedoch nicht um Ihre Privatsphäre zu sorgen – die Kameras filmen nur die vom Betretungsverbot betroffenen Flächen abseits der Wege.

Aufenthaltsbereiche werden attraktiver

Besucherlenkung bedeutet ausdrücklich nicht, den Borkener See weniger attraktiv zu machen. Im Gegenteil: Ziel ist es, Naturerlebnis und Naturschutz noch besser miteinander zu verbinden.

Bestehende Bereiche werden gezielt aufgewertet. Neue beziehungsweise erneuerte Aussichtspunkte ermöglichen den Blick auf den See und seine Tierwelt, ohne dass sensible Bereiche betreten werden müssen.

Auch die frühere Schutzhütte, besser bekannt als „BUGA-Hütte“, wurde teilweise zurückgebaut. Der Bereich war zum Schutz der Natur zuvor vollständig eingezäunt. Dadurch sollte ein Verlassen der Wege erschwert werden – das Areal wirkte dadurch jedoch leider wenig ansprechend. Mit dem Rückbau soll die Gestaltung offener und natürlicher werden und sich besser in das Gesamtkonzept des Borkener Sees einfügen.

Am neugestalteten „BUGA-Platz“ laden Wellenliegen aus hochwertigem Douglasienholz zum Verweilen, Entspannen und Beobachten ein. Die Wellenliegen im Wert von rund 4.000 Euro wurden von der Stadt Borken (Hessen) mit Unterstützung von HessenForst angeschafft.

Auch Geländer und weitere Einrichtungen entlang der Wege wurden teilweise erneuert oder zurückgebaut. Auf der Nassenerfurther Seite des Borkener Sees sollen in naher Zukunft zudem neue Sitzmöglichkeiten, unter anderem in Form einer Baumelbank, entstehen.

Der Rundweg und die verschiedenen Aussichtspunkte bieten weiterhin zahlreiche Möglichkeiten, die Landschaft und die Tierwelt zu genießen.

Bürgermeister Marcèl Pritsch hat gemeinsam mit den Mitarbeitern von HessenForst den neugestalteten BUGA-Platz besichtig und ist begeistert: „Der Borkener See ist ein echtes Naturjuwel unserer Stadt und weit über Borken hinaus ein beliebtes Ausflugsziel. Wir möchten, dass die Menschen diese besondere Landschaft genießen und die Tier- und Pflanzenwelt beobachten können. Gleichzeitig tragen wir eine große Verantwortung dafür, dass die sensiblen Lebensräume geschützt werden. Mit einer guten Besucherlenkung, attraktiven Aufenthaltsbereichen und verständlichen Informationen wollen wir beides miteinander verbinden: Natur erleben und Natur bewahren. Dabei setzen wir auch auf die Unterstützung und Rücksichtnahme unserer Besucherinnen und Besucher.“

Weniger Müll, mehr Natur

Auch beim Thema Müll soll die Situation verbessert werden. In der Vergangenheit wurden die Abfalleimer am See zunehmend nicht nur für Besucherabfälle, sondern teilweise sogar für Haus- und Sperrmüll genutzt. Deshalb wurden die vorhandenen Mülleimer abgebaut.

Die Stadt Borken (Hessen) und HessenForst prüfen derzeit neue Lösungen, die den Besucherinnen und Besuchern zugutekommen und zugleich mit den Anforderungen des Naturschutzgebietes vereinbar sind. Bis dahin werden alle Gäste gebeten, ihren Abfall wieder mitzunehmen und über die vorgesehenen Entsorgungswege zu entsorgen.

HessenForst lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Borkener Stadtverwaltung. Insbesondere der Bauhof ist regelmäßig vor Ort und unterstützt das Forstamt Jesberg bei der Pflege des Naturschutzgebietes und den baulichen Maßnahmen.

Neue Informationen im Herbst

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die neue Beschilderung. Im Herbst sollen moderne und leicht verständliche Informationstafeln aufgestellt werden. Sie erklären, warum der Borkener See geschützt ist, welche Tiere und Pflanzen hier vorkommen und weshalb bestimmte Regeln gelten.

Denn wer versteht, warum eine Regel notwendig ist, kann auch leichter Rücksicht nehmen.

Der Borkener See soll beides bleiben: Ein wertvolles Naturschutzgebiet und ein attraktives Ziel für Menschen aus Borken und der gesamten Region. Wer auf den ausgewiesenen Wegen bleibt, keinen Müll hinterlässt und Rücksicht auf Tiere und Pflanzen nimmt, trägt dazu bei, dass dieser besondere Ort auch für kommende Generationen erhalten bleibt.